Wenn die Wut aus allen Fingern fliesst!

Ich habe zwei Kinder. Meine Tochter ist gerade vier geworden und mein Bub ist in etwa 15 Monate. Wir leben gemeinsam mit meinem Freund, ihrem Papa, in einer Wohnung in Wien. Tatsächlich zwingt uns manchmal das intensive Arbeiten von meinem Freund in diese Zweiteilung: die Kinder und ich, und er. Ausgenommen die Wochenenden und Urlaubstage, und auch viele Abende, die wir ganz wunderbar zu viert verbringen können. Und die schönen Momente, wo ich arbeite und er mit den Kindern unterwegs ist. Gut das diese Momente bald mehr werden.

Die neue Situation für mich Kinder zu haben und so viel und so viel intensive Zeit mit ihnen zu verbringen bringt mich neben all den berauschenden Glücksmomente, in so manche herausfordernde und stressige Situation, wie ich sie bis dahin kaum erlebt habe.

 

Das Teilnehmen an der Elternrunde zu Achtsamkeit mit Paola & Peter geben mir, neben dem Austausch mit anderen Müttern und Vätern über den Alltag als Elternteil, auch viele praktische Inspirationen in fordernden Situationen der Achtsamkeit Raum zu geben und sie wirken zu lassen.

Von einem Abend, wo mein Gefordert-sein sehr hoch war und mir (und demnach auch dem betreffenden Kind) das Anwenden von Achtsamkeit immens geholfen hat möchte ich schildern:

Es war vor ca. einem Monat als mein Sohn Zähne gekriegt hat. Gefühlt, für ihn und mich, eine ganze Großfamilie an neuen Zähnen, die sich durch sein Zahnfleisch kämpfen mussten. Demensprechend schlecht und angestrengt war seine Laune in diesen Tagen. Und demensprechend schlecht war meine Laune ebenfalls. Es war der dritte Abend wo er einfach nicht einschlafen konnte, sich immer wieder im Bett umherwälzte und am liebsten in meinen Armen lag. Allerdings ohne darin einzuschlafen. Und es mussten meine Arme und meine Anwesenheit sein. Den Vater oder seine Oma waren in dieser Situation für ihn nicht brauchbar. Also hielt ich ihn, gefühlt stundenlang, nachdem ich ihn schon untertags stundentag getragen und getröstet hab.

Ich war hundemüde und mein Mitgefühl und meine Sorge um mein Kind wandelten sich von Minute zu Minute in große Wut. Auf mein Kind, auf mich, auf meinen Freund, wer mir eben gerade einfiel. Ich selbst hätte längst ins Bett gehört und sah einfach keine Möglichkeit aus der Situation zu kommen. Diese gefühlte Aufweglosigkeit ließ meine Wut nur noch stärker werden. Nach dem mein kurzer Versuch meine Wut rauszuschreien nach hinten losging – was für eine Überraschung.. – atmete ich tief durch und versuchte die Wut in mir zu lokalisieren und sie mir bildlich darzustellen. Das war nicht schwer, überall in mir war er rot vor Wut. Und loderte. Ich dachte mir, vielleicht finde ich ein Ventil, wo ich all diese Wut, dieses Rot rauslassen konnte. Meine Finger fielen mir sofort als passenden Ausgang ein. Und schon ließ ich die Wut hinausströmen. Aus allen Fingern der rechten Hand. Ich war erstaunt wie einfach es mir fiel und noch erstaunter war ich darüber, dass mich dieses Rauslassen, tatsächlich nach und nach beruhigte. In meinem Körper ersetzten nach und nach blaue und grüne Bereiche die roten und ich fühlte mich deutlich entspannter.

Und natürlich schlief mein Sohn und auch ich irgendwann mal ein. Wann kann ich nicht mehr genau sagen. Denn es hatte schlußendlich auch keine Relevanz mehr.

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