Gemeinsam tanzen statt einsam ärgern

Ich bin Mutter von zwei Buben – Tobias* ist 7 Jahre und Florian* 2,5 Jahre alt. Zusammen mit meinem Ehemann leben wir in einem Haus außerhalb von Wien mit einem Garten und dem großen Wienerwald vor der Türe. Durch meine Freiberuflichkeit, die ich seit der Geburt der Kinder eingeschränkt ausübe, verbringe ich sehr viel Zeit mit den Kindern. Mein Ehemann ist hautberuflich in Wien beschäftigt und recht viel unterwegs.

Seit einem Jahr komme ich regelmäßig zu der Elternrunde von Paola & Peter zu Achtsamkeit in der Familie. Angeregt durch diese Abende merke ich wie ich anders und oft gelassener mit stressigen Situation mit den Kindern umgehen lerne. Ich falle weniger oft in die “Aktion-Reaktion”-Falle, die meist nur in die üblichen Sackgassen führen und die mich und/oder die Kinder frustriert oder genervt zurücklassen.

Ein Nachmittag wie viele andere. Tobias ist unruhig, angespannt und – wie üblich in solchen Momenten - jammert und besschwert sich über fast alles. Ich spüre wie mein Geduldsfaden immer kürzer wird, da ich wieder dabei bin auf jede Beschwerde zu reagieren. Ich atme ein- zweimal tief durch und traue mich eine neue Intervention auszuprobieren.

Ich lade meinen Sohn ein sich mit mir auf die Couch zu setzen. Ich atme ein paar Mal ganz bewusst ein und aus und suche ganz bewusst den Kontakt mit ihm und sage: "Weisst du, wie es der Dusty (Name des kleines Sprühflugzeug aus dem "Planes" Film) immer sagt: "Tief und langsam". So, wir probieren es jetzt auch: tief und langsam - einatmen... Ja gut, so weiter, und vergiss nicht "Concentration Amigo" wie der "El Chupa Cabra" (hyperaktives Mexikanisches Flugzeug) immer sagt.

Verbunden mit dieser Geschichte schafft es Tobias sich zu beruhigen und entspannen und ich kann ihn fragen: “Was ist gerade los bei dir?” Was brauchst du?” Und auch wann er es nicht genau ausdrücken konnte war er (und ich) nachher viel ruhiger und entspannter und wir miteinander in besseren Kontakt.

Ein zweites Mal wo ich es geschafft habe aus einem üblichen Muster auszusteigen und – ungewöhnlich, anders – zu reagieren:

Tobias spielt oft in der Früh laut das Radio, was mich immer wieder nervt und stesst. Ich bitte ihn dann immer wieder es leise zu machen und nach kurzer Zeit ist es wieder wie vorher in der Lautstärke; und ich spüre meist den Ärger in mir größer werden. Statt es verärgert einfach abzudrehen bin zu ihm, habe auf das nächste Lied gewartet und dann angefangen dazu zu tanzen und mich mit den Kindern zu bewegen. So war ich mit den Kindern echt in Kontakt – und aus diesem Kontakt entstehen andere Reaktionen als aus dem gewohnten “Kopf-Muster”.

Was ich auch noch bemerkt habe, dass ich öfters bewusste Sinneserfahrungen in der Natur mit den Kindern suche: ganz langsam barfuss durch den Bach gehen; gemeinsam einen Lavendel-Bund aus dem Busch im Garten selbst machen als Geschenk; kurz schweigend “wie die Indianer” durch den Wald gehen; im Meer schwimmen mit geschlossenen Augen und genau hinhören. Diese Erfahrungen helfen mir ruhiger, entspannter und achtsamer zu werden – und auch den Kindern, vor allem Damian, der sonst schnell körperlich wie geistig in einem Stresszustand kommt

*Namen geändert

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